Samstag, 29. Juli 2017

Eine Liebeserklärung an das Meer

Das Buch vom Meer
oder 
Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen.
🌊
Autor: Morten A.Strøksnes
Übersetzerinnen: Ina Kronenberger und Sylvia Knall
Verlag: DVA 
Seiten: 364 

Morten A.Strøksnes ist norwegischer Journalist, Fotograf und Schriftsteller.
Er studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Geschichte. (wiki

Es handelt sich bei dem Buch um eine wahre Begebenheit.


Vorweg:
Es handelt sich hier nicht um einen Roman im engeren Sinne. 
 Es ist ein Sachbuch, als Roman verpackt.

 Morten und sein Freund Hugo haben Großes vor. Hoch oben im Norden, im Vestfjord, ca. 100 km nördlich des Polarkreises, wollen sie einen Eishai fangen.

"Der Eishai ist ein Urzeitwesen, das am Grund tiefer norwegischer Fjorde bis hinauf zum Nordpol schwimmt." 
Er ist der größte fleischfressende Hai der Welt und kann bis zu 200 Jahre alt werden.
 "In etwas fünfhundert Metern Tiefe ist es stockfinster. Dort ist keine Fotosynthese mehr möglich, für Pflanzen ist hier endgültig Schluss. In dieser Tiefe lebt der Eishai."

Die Überresten eines schottischen Hochlandrindes (als Leckerbissen für den Hai), 350 Meter Seil und sechs Meter Kette sind notwendig, um den Hai an den Kragen zu gehen. Die Haut des Haies ist so rau, dass sie nur einer Kette stand hält, wenn der Hai unten um sein Leben kämpft. Wenn man den Eishai gegen die Schwimmrichtung streichelt, würde man sich seine ganzen Finger aufschneiden, da "die Haut des Eishais mit einer Art Zähnchen bedeckt [ist], die scharf wie Rasierklingen sind."

 Nicht nur das Wetter, die Kälte und der Eishai stellen die Geduld der Männer auf die Probe. Auch die Macken des anderen auszuhalten, will geübt sein. War das ganze Unternehmen doch anfangs nur für 3 Tage geplant.

 Morten A.Strøksnes nimmt uns mit an und auf das Meer. Erzählt von den Bewohnern an der Küste und dann immer wieder ganz wissenschaftlich und doch auch poetisch von den Bewohnern im Meer.
Aber wir erfahren hier auch jede Menge über Evolutionsbiologie, Geschichte, Philosophie, Geologie. Keine Wissenschaft wird ausgeklammert.

"Wenn wir alles zusammennehmen, was wir über die Tiefe und Flächenausdehnung des Meers wissen, dann folgt daraus, dass die gesamte Landmasse der Erde - alle Gebirg, Hügel, Felder, Wälder, Wüsten, ja, auch alle Städte und alles von menschenhand Erschaffene - problemlos im Meer Platz finden könnten. Die Durchschnittshöhe der Landmasse beträgt nur achthundertvierzig Meter. Selbst wenn wir denn gesamten Himalaja an der tiefsten Stelle des Meeres versenken würden, erklänge bloß ein lautes Platschen, dann würde die Gebirgskette sinken und spurlos verschwinden. Im Meer ist so viel Wasser, dass alle Kontinente kilometertief unter Salzwasser liegen würden, sollte sich der Meeresboden an die Oberfläche heben. Nur die Gipfel der höchsten Gebirgskette würde aus dem Wasser ragen."


 
Es ist eine Liebeserklärung ans Meer. So poetisch und weich erzählt, so voller Ruhe. 
Es ist kein Buch, was man mal so eben wegliest. Diese Ruhe, mit der er es erzählt, hat auch mich immer wieder zur Ruhe angehalten. 
Es sind so unheimlich viele interessante Informationen. Und dass er von so vielen Wissenschaften etwas einfließen lässt, macht es eben auch so spannend. 
 
Ich würde Euch am liebsten ganz vieles zitieren. Wie die Großgrundbesitzer sich untereinander das Meer aufteilten, vom Blauflossen-Thunfisch, der sechzig Stundenkilometer erreicht. Von der wahren Geschichte des Moby Dick. Wie die RNA- und die DNA-Moleküle letztlich festlegten, ob wir eine Blume, ein Fisch oder ein Mensch wurden. 
 
Und trotz all des Wissenschaftlichen so leicht erzählt. 
 
Nicht nur für die leicht verständlichen Fakten und die wunderbare Sprache (hier auch ein dickes Danke an die Übersetzerinnen, die tolle Arbeit geleistet haben), sondern auch für die Idee, das Sachbuch in einen Roman zu verpacken, gibt es von mir 
5 ♥. 

Kommentare:

  1. Liebe Lilly,
    ich könnte mir vorstellen, daß dieses Buch etwas für mich ist. Vielen Dank für den Tipp.
    LG susa

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    1. Liebe Suza,

      stimmt, das könnte ich mir gut vorstellen.

      Liebe Grüße
      Lilly

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Lilly