Dienstag, 25. April 2017

Der weiteste Weg

Autor: Bruno Blum
Verlag: Delius Klasing
Seiten: 235

Der Autor Bruno Blum fährt mit seiner Lebensgefährtin von der Schweitz aus los bis nach Australien.  Über Sankt Petersburg, Moskau, Sibirien, Kassachstan, Kirgistan, Usbekistan, Iran, Pakistan, Nepal bis Nordindien und von dort mit dem Flugzeug nach Australien. Zurück geht es dann über Malaysia, Japan, Russland und die Mogolei. 

Er schildert von seinen Erlebnissen, von Hindernissen, von Eigenheiten der Bevölkerung und der Länder. Da gibt es Fettschwanzschafe, bei denen sich ein großer Teil der Körperfetts im Schwanz sammelt, ähnlich wie die Speicherfunktion der Höcker von Kamelen. Die Fettschwänze in Scheiben geschnitten, gilt in Kirgistan als Delikatesse. 
Weniger witzig ist der Brautraub in Kirgistan, der eine lange Tradition hat. Er ist zwar seit 1994 offiziell verboten, aber immer noch ein Fünftel aller Ehen beginnen durch eine Entführung. Einmal geraubt, ist eine Rückkehr zu den Eltern kaum mehr möglich. Es würde als Schande gelten und die Frau und die Eltern wären entehrt. 
Oder im Iran gibt es für Frauen eine Kleidervorschrift, so dass auch Yvonne ein Kopftuch tragen muss. 


 Ich muss mal mit dem Äußeren anfangen, denn das hat mich irgendwie gestört. Also Positiv ist, dass es eine schöne, handliche Größe hat. Ein kleines bisschen Länger als DinA 5. Und es gibt ganz viele Bilder, die nicht, wie bei vielen Reiseberichten nur in der Mitte sind, sondern verteilt auf alle Seiten. Es gibt selten eine Doppelseite nur mit Schrift. Aber das Papier... Es fühlt sich wie Hochglanzpapier an. Das gibt mir kein schönes Lesegefühl. Ich klebe ja immer Post-its an die Stellen, die für mich zum Rezensieren wichtig sind. Als ich sie eben abmachte, blieb ein Klebefilm auf dem Papier zurück. :( 

Ich lese sehr gerne Reiseberichte und hier fand ich besonders toll, dass der Autor eben auch politisches im weitesten Sinne erklärte, wie das Beispiel mit der Raubehe. Dennoch hätte ich mir ein bisschen mehr Struktur gewünscht. Er wechselt schnell zwischen persönlichen Empfindungen ("Ist das hier heiß!") zu geschichtlichen Erklärungen (Wie wird Seide hergestellt und wie kam die Seidenherstellung aus China raus) zu lästigen Formalitäten (Visumsprobleme). Überhaupt schreibt er, für meinen Geschmack, ein bisschen viel über die ganzen Visums- und Papierprobleme. Es bringt ihn wohl immer wieder "an die Grenzen der Belastbarkeit". Aber das wird für mich nicht spürbar. Ich spüre eher das Genervt-sein, was ein bisschen schade ist, denn als Leserin will ich diese Emotion natürlich nicht haben.

Was mich wirklich sehr gestört hat, dass es keine genaue Reiseroute im Buch gibt. Das erwarte ich von einem Reisetagebuch. 
Es ist vorne zwar eine Europa-, Asien-, Australien-Karte abgebildet, aber nur eine handvoll der großen Länder sind beschriftet und Orte sind gar nicht markiert. Das hat mich beim Lesen immer wieder geärgert, weil man doch natürlich nachschauen will, wo er denn nun genau ist. 

Dennoch hat das Buch irgendwie eine Seele und man spürt, dass viel Herzblut in dem Buch steckt. Das macht mir die Bewertung schwer. 
Wenn ich mir meine Kritikpunkte hier anschaue, ist es eine schwache 3. Aber das Herzblut in dem Buch verdient auf jeden Fall eine 4. 
3,5 oder doch 4? 
Im Zweifel für den Autor? 
Ich sag mal, 3,5 ♥ und auf den Seiten, wo ich keine halben Punkte vergeben kann, gibt es 4 Sterne.

Kommentare:

  1. Huhu Lilly,
    ihhhh, das mit den Fettschwänzen klingt aber irgendwie schon etwas ekelig... Aber egal ;o) Als ich so deine Einleitung gelesen hatte, wusste ich sofort, warum du gerne Reiseführer liest. Das klingt ja alles wirklich richtig interessant.

    Damals hat mir eine Kollegin mal das Buch "Die weiße Massai" ausgeliehen. Kennst du das? Das war ein Buch,was ich so wohl nie gelesen habe. Ich fand die Geschichte so fesselnd. Danach habe ich mir gleich alle weiteren Bände der Autorin gekauft und den Film angesehen :o)

    Schade, dass dann die "Versprechen" vom Inhalt nicht so konstant verfolgt wurden sondern mehr über Nebenthemen (wie die Sache mit dem Visum) gesprochen wird und dass es thementechnisch etwas wild wurde. Aber ich denke das Buch hat Potential. Mit deiner Rezension hast du meine Lust auf Reiseberichte geschürt <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,

      herzlichen Dank für Deinen Kommentar.
      Ja, Du musst Dir die Schafe mal bei google anschauen. ^^

      Von "Die weiße Massai" kenne ich nur Cover und den Klappentext. Ich hatte es cshon öfter in der Hand, aber Afrika ist irgendwie nicht so meins. Das ist mir zu heiß. ;) Aber es freut mich, dass es Dir gefallen hat.

      Kennst Du die "Gebrauchsanweisung für (Land)"? Die finde ich auch toll.
      Also wenn Du irgendwann mal Lust auf eine Reisebuch hast, kann ich gerne mit Dir gucken, welches was für Dich wäre. Ich habe hier 1,5 Regalbretter voll.

      Liebe Grüße
      Lilly

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    2. Huhu Lilly,
      ich hatte gerade etwas Angst davor die Fettschwanzschafe zu googeln, dass muss ich ja zugeben ;o) Aber dann habe ich es doch getan. Ich bin froh, dass mir nicht gleich in Scheiben geschnittene Schwänze gezeigt wurden! Die Schafe sind ja herzallerliebst <3 :o)

      Die Liebesgeschichte von "Die weiße Massai" war so fesselnd. Ich hätte mir das Buch auch nie selbst geholt. Dabei war es so gut. Ich kann deinen Lesegeschmack noch nicht so einschätzen. Aber am liebsten würde ich es dir einfach nur wärmstens empfehlen :o)

      Woah, 1,5 Regalbretter voll ist ja schon mal eine Hausnummer. Nein, das Buch kenne ich noch nicht. Ich werde dir Bescheid geben, wenn ich mal ein Reisebuch lesen möchte. Ich glaube bei deiner Auswahl wirst du mir einige gute Tipps geben können :o))

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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  2. Hallo Lilly,

    deine Rezi war sehr interessant zu lesen, ich selbst habe, glaube ich, noch nie ein Reisetagebuch gelesen (abgesehen von Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg", wenn man das dazuzählen möchte ;)).

    Dass dann etwas die Struktur gefehlt hat, ist natürlich schade. Und stimmt, eine Reiseroute hätte ich von einem Reisetagebuch eigentlich auch erwartet, muss ich sagen. Das wäre auf jeden Fall etwas, was in möglichen Nachdrucken geändert werden könnte.

    Vielen Dank, dass du mir dieses Genre durch deine Rezis ein bisschen näher bringst. ♥

    Liebe Grüße
    Tessa

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Lilly