Montag, 27. März 2017

Daniel is different

Autor: Wesley King
Übersetzerin: Claudia Max
Verlag: magellan
Seiten: 304
Alter: 12-15


Daniel ist 13 Jahre und leidet unter einer Zwangsstörung. Er weiß nicht, dass das ganze einen Namen hat und er redet auch mit niemandem darüber, weil er Angst hat, dass dann alle sehen, wie verrückt er ist. Sein Leben ist wirklich eine Qual. Er braucht mind. 2 Stunden jeden Abend, bis er sein "Programm" beendet hat und ins Bett gehen kann. So und so viele Schritte vom Kinderzimmer ins Bad, so und so oft die Hände waschen usw.. Verzählt er sich, muss er wieder von vorne beginnen. Auch tagsüber hat er "Zaps", wie er es nennt, wenn er den Zwang hat, etwas zu tun. Einher gehen diese Zaps mit schrecklichen Gefühlen und qualvollen Gedanken. 

Mit Schreiben kann Daniel sich beruhigen und er schreibt ein Buch, 
das im Buch zu lesen ist. 
Er spielt notgedrungen Football, ist verliebt und froh, dass sein bester Freund Max ihn in alles mit einbezieht. Sonst wäre er wohl ein Außenseiter wie Psycho-Sara.

Als ihn eines Tages Psycho-Sara anspricht, kommt Bewegung in sein Leben. 
Sara braucht Daniels Hilfe und hilft im Gegenzug ihm.  


Ich wollte das Buch lesen, um diese Krankheit besser zu verstehen. Ich kenne Leute, die daran leiden und mir war bisher einfach nicht klar, was im inneren einer Person vorgeht, dass sie eine Zwangshandlung ausführen muss. Ich selbst bin eher chaotisch veranlagt, daher war mir das sehr fremd.
Und das hat das Buch auf jeden Fall geschafft. Ich habe es nicht nur verstanden, sondern konnte mich da richtig gut reinversetzen. War zum Teil auch wirklich tief betroffen, weil so ein Leben der Horror sein muss. Die Gedanken gehen bis dahin, dass er stirbt, wenn er die Zwangshandlung nicht ausführt. Also er lebt mehr oder weniger ständig in Todesangst.

In dem Buch, welches Daniel schreibt, verarbeitet er seine Situation. Daher war dieser Teil der Geschichte für mich sehr passend und auch wichtig für das Verständnis der Erkrankung.

Ein bisschen genervt haben mich die vielen Football-Erzählungen. Dieser Handlungstrang war zwar für seine Entwicklung wichtig, aber man hätte es doch etwas mehr straffen können.

Was mir auch nicht so gut gefallen hat, war der eingebaute "Kriminalfall", in den Sara Daniel verwickelt. Dieser war von der Glaubhaftigkeit und dem Niveau doch eher für 8-10-jährige. Ich vermute, dass der Autor da nach einem Grund gesucht hat, wie Sara und Daniel ins Gespräch kommen können. Die Geschichte zwischen Sara und Daniel selbst war sehr schön und wichtig und es hätte in meinen Augen nicht so einen aufgesetzten "Kriminalfall" gebraucht.

Ein Kritikpunkt geht vermutlich an die Übersetzerin.
In dem Buch werden begabte und "besondere" (psychisch kranke) Kinder als Sternenkinder bezeichnet.  In Deutschland und Österreich steht die Bezeichnung Sternenkind allerdings für Babys, die vor oder kurz nach der Geburt verstorben sind.
Daher finde ich die Wortwahl sehr ungünstig.

Das Ende hat mir sehr gut gefallen.

Ein sehr wichtiges Buch, mit ein paar Schwächen, über die man hinweg sehen kann, in Anbetracht des Informationsgewinns.
Von mir gibt es 4 ♥ ♥ ♥ ♥.



Zwangsgedanken

Zwangsgedanken sind inhaltliche Denkstörungen im Sinne sich zwanghaft immer wieder aufdrängender, jedoch als unsinnig erkannter Denkinhalte.
Zwangsgedanken kann man einteilen in:
Zwangsideen und -befürchtungen (z. B. die Befürchtung, eine Arbeit nicht richtig gemacht zu haben, oder Ängste, dass dem Ehepartner etwas Schlimmes zustoßen könnte)
Aggressive Zwangsgedanken (Befürchtungen, jemandem Schaden zuzufügen, sexuell verwerfliche Dinge zu tun, jemanden zu beleidigen etc.)
Grübelzwang (bestimmte Themen müssen wieder und wieder durchdacht werden. Es ist nicht möglich, dabei zu einer Entscheidung oder zu einer Lösung zu kommen)
Zweifel (Unsicherheit, Handlungen nicht zufriedenstellend abgeschlossen, etwas falsch verstanden, getan oder unterlassen zu haben)
Zählzwang (Arithmomanie) (bestimmte Dinge, die im Alltag auftauchen, werden gezählt)
Wiederholungen (bestimmte Gedanken müssen ritualisiert wiederholt werden)

Bei Zwangsgedanken geht es also häufig um angstvolle Gedanken und Überzeugungen, sich selbst oder einer anderen Person zu schaden (z. B. durch Verunreinigung, durch aggressive Handlungen oder durch sogenannte „magische Handlungen“), in eine peinliche Situation zu geraten, oder durch Unterlassen von Handlungen indirekt bzw. durch eigene Handlungen direkt für ein Unheil/Unglück verantwortlich zu sein.

Zwangshandlungen

Beispiele:

Reinlichkeitszwang: der Zwang, sich z. B. dauernd die Hände zu waschen
Kontrollzwang: ständige Überprüfung von Herdplatten, Türschlössern, Gashähnen, Aschenbechern, wichtigen Papieren etc.
Ordnungszwang: der Zwang, immer Symmetrie, perfekte Ordnung oder ein Gleichgewicht herzustellen, indem Dinge wie Bücher, Kleidung oder Nahrungsmittel nach genauen Regeln präzise angeordnet werden
Berührzwang: der Zwang, bestimmte Dinge anzufassen oder gerade nicht anzufassen, etwa jede Straßenlaterne zu berühren
verbale Zwänge: Ausdrücke, Sätze oder Melodien werden ständig wiederholt
 (Quelle: wikipedia)

Kennst Du das? Dann suche Dir bitte professionelle Hilfe. 
Vertraue Dich Deinem Hausarzt an oder mache einen Termin beim Psychiater. 
Es gibt keinen Grund, sich zu schämen.

Kommentare:

  1. das klingt ja absolut interessant, meine älteste Tochter ist durch einen Geburtsfehler geistig behindert und hat leichte autistische Züge und braucht auch ihre gewohnten Rituale sonst wird sie nervös. Muss mir den Titel gleich mal vormerken. Lg Karin

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  2. Liebe Karin,

    ja, es ist wirklich total spannend und einfach so gut nachvollziehbar.
    So Bücher müsste es wirklich öfter geben. (Wobei es zum Glück ja schon viel mehr geworden ist.)
    Vielleicht magst Du ja mal Bescheid sagen, wenn Du es gelesen hast. Würde mich interessieren, ob Du Deine Tochter dadurch nochmal anders verstehen kannst.

    Liebe Grüße
    Lilly

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  3. Sehr interessantes Thema, ich habe auch eineKollegin mit einer Zwangsstörung.
    Ich werde mir den Buchtitel merken.
    lg susa

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  4. Huhu Lilly,

    ich habe schon einmal einen Roman mit einer ähnlichen Thematik gelesen, der mir auch sehr gefallen hat. Dieses Buch klingt wirklich sehr interessant. Das könnte auch was für mich sein.
    Sehr schön finde ich, dass du im Anschluss noch einmal die verschiedenen Zwänge aufgeführt hast. Ich denke es gibt einige Menschen mit Zwangsstörungen.
    Angst vor Verlust (z.B. des Partners) oder Grübelzwang kenne ich auch von mir. Ich denke Ängste hat jeder Mensch. Wichtig ist, dass sie nicht Überhand nehmen und einem jeden Tag des Lebens schwer machen.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,

      ja, ich könnte mir auch vorstellen, dass es Dir gefällt.
      Im Buch gibt es auch einen Abschnitt, wo es aus medizinischer Sicht erklärt wird, allerdings nur kurz.
      Ja, ich denke auch, krankhaft wird es dann, wenn das Grübeln einen kontrolliert.

      Liebste Grüße
      Lilly

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  5. Hallo Lilly,
    eine sehr schöne und feinfühlige Rezension und auch deine Auflistung zu Schluß ist gelungen. Mir gefällt deine Buchauswahl und wie du schreibst. Das Buch klingt absolut interessant, ich kenne auch einige Menschen mit psychischen Störungen/Problemen; aber einen Roman zu dem Thema hab ich noch nie gelesen.
    Liebe Grüße Daniela

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    1. Liebe Daniela,

      Deine Worte freuen mich sehr!
      Vielen Dank und liebe Grüße
      Lilly

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  6. Solche Bücher lese ich auch gerne um zu verstehen, vor allem wenn man Betroffene kennt! Du beschreibst das Buch wirklich gut! Das Buch macht mich neugierig, bin aber nicht sicher, ob ich es lesen kann, möchte, sollte... Als Jugendliche habe ich einen leichten Händewaschzwang gehabt, aus dem mir gut rausgeholfen wurde. Wirklich; ich hatte immer zwei bis drei patschnasse Waschlappen bei mir um im Notfall gleich die Hände provisorisch zu waschen...
    Danke für die Vorstellung des Buches!

    Liebe Grüße

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    1. Liebe Jule,

      dann lese es lieber nicht. Ich habe mich die Tage mit jemand ausgetauscht, der immer noch sehr unter der Krankheit leidet und sie meinte, sie will es nicht lesen, um nicht auf neue Ideen zu kommen. Das verstehe ich und es wäre wirklich blöd, wenn Du dann durch das Buch angetriggert wirst.

      Liebe Grüße
      Lilly

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  7. Huhu Lilly,

    das Buch klingt wirklich gut. Obwohl ich ja bei solchen Themen immer ein bisschen Angst habe, vor allem wenn die Geschichten für Kinder bzw. Jugendliche geschrieben wurde, oftmals sind die Ergebnisse eher problematisch als wirklich erleuchtend. Ich werde mir "Daniel is different" aber auf jeden Fall mal genauer ansehen...

    Wow, okay, also die Sache mit den "Sternenkinder" finde ich eigentlich nicht vertretbar. Wenn so ein Begriff auftaucht, recherchiert man doch kurz, ob man den einfach so ins Deutsche übertragen kann oder sich eine Alternative ausdenken muss. Zumal ich denke, dass "Sternenkinder" weit verbreitet ist, auch wenn man persönlich nie damit in Berührung gekommen ist...

    Liebe Grüße
    Sas

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    1. Hallo Sas,

      wie meinst Du das, dass die Ergebnisse eher problematisch sind?
      Falls Du Dir das Buch genauer anschaust, wäre ich auf jeden Fall an Deiner Meinung interessiert.

      Ja, zu den Sternenkinder gibt es haufenweiße Seiten im Netz. :(

      Liebe Grüße
      Lilly

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    2. Vielleicht ist "problematisch" das falsche Wort, aber ich meinte, dass die Ergebnisse dann einfach extrem unrealistisch werden und bei den Leser falsche Vorstellungen schaffen.
      Ich habe im Laufe der letzten Jahre sehr viele Bücher über SVV (selbstverletzendes Verhalten) gelesen, weil ich es aus persönlichen Erfahrungen kenne, und die meisten davon waren einfach falsch. Am Ende hat ein bisschen Liebe alle gerettet und die Protagonisten wieder glücklich. So ist das einfach nicht.

      Ist das etwas klarer? :)

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    3. Ok, jetzt verstehe ich, was Du meinst. Das würde mir dann auch nicht gefallen und es bringt den Jugendlichen ja nichts, wenn man ihnen solche falschen Tatsachen untermogelt. Am Ende denken sie, es liegt an ihnen, dass sie es nicht schaffen, von was auch immer, lozukommen.
      Also hier bei dem Buch ist es auch nicht so.

      Ich komme übrigens nicht auf Deinen Blog. Schon seit heute früh nicht. Das ist doch sasverse.de, oder? Da kommt immer eine Fehlermeldeung. Egal ob ich es über litnetzwerk versuche oder über google.

      Liebe Grüße
      Lilly

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    4. Eben. Deswegen bin ich, wie gesagt, bei Jugendbüchern zu so speziellen Themen immer vorsichtig. Die muss man eben mit Fingerspitzengefühl und vor allem viel Recherche angehen und das können nicht viele Autoren.

      Ja, ich weiß :(
      Der Fehler liegt allerdings auf Anbieter-Seite, deswegen kann ich auch nichts machen. Ich hatte das letzte Woche schon mal, da war mein Blog drei Tage offline. Ich hoffe, dass es dieses Mal schneller geht.

      Liebe Grüße
      Sas

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  8. Das klingt nach einem sehr interessanten Buch. Nach deiner Rezension werde ich mir dieses vormerken, denn du hast mich neugierig gemacht. Menschen mit Zwangsstörungen kenne ich zwar nicht persönlich, aber ich stelle es mir schrecklich vor, daran zu leiden. In gewisser Weise wie ein eigenes Gefängnis, das der Kopf heraufbeschwört.

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    1. Hallo Auroria,

      das mit dem Gefängnis hast Du sehr gut ausgedrückt.
      Ich kannte mal jemanden, die nicht durch Türen gehen konnte. Also ich kannte die nur vom Sehen und konnte es damals nicht so recht begreifen. Das sie litt hat man schon gesehen. Sie hat quasie zehnmal anlauf genommen, um durch die Tür gehen zu können.
      Durch das Buch habe ich jetzt eine Ahnung, was in ihr vorgegangen sein könnte.

      Liebe Grüße
      Lilly

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Ich freue mich total, wenn Ihr mir ein Kommi da lasst und mir sagt, was Ihr über den Beitrag denkt. ♥ Ich antworte entweder hier oder bei Euch.
Liebste Grüße
Lilly